E-Commerce und digitale Beschaffung stehen vor der nächsten Evolutionsstufe.
Nach Online-Shops, Mobile Commerce und Conversational Interfaces folgt nun ein Paradigmenwechsel, der tiefer geht als ein neues Frontend: Agentic Commerce.
Dabei agieren autonome KI-Agenten nicht mehr nur beratend, sondern übernehmen aktiv Aufgaben entlang der gesamten Customer Journey – von der Bedarfserkennung über den Angebotsvergleich bis hin zur Transaktion.
Für Unternehmen bedeutet das eine grundlegende Veränderung der Spielregeln.
Agentic Commerce beschreibt ein Modell, bei dem KI-Agenten im Auftrag von Nutzer:innen handeln.
Diese Agenten verstehen Ziele, Präferenzen und Rahmenbedingungen – und treffen darauf basierend eigenständig Entscheidungen.
Ein vereinfachtes Beispiel:
„Ich brauche eine neue Versicherung.“
Der Agent analysiert den Bedarf, vergleicht Angebote, liest Vertragsbedingungen, bewertet Risiken und schlägt die beste Option vor – oder schließt sie direkt ab.
Der Mensch definiert das Ziel. Die KI übernimmt die operative Umsetzung.
Relevante Grundlagen stammen u. a. aus:
Autonomous AI Systems (Forschung & Industrie)
Conversational AI & Large Language Models
Agent-basierte Architekturen
Im klassischen digitalen Handel optimieren Unternehmen auf Aufmerksamkeit, Emotion und Conversion. Im Agentic Commerce verschiebt sich der Fokus:
Nicht mehr der Mensch kauft – sondern dessen KI-Agent.
Das hat weitreichende Folgen:
Entscheidungen werden rationaler
Preise werden algorithmisch bewertet
Angebote werden maschinell verglichen
Vertrauen entsteht durch Daten, Struktur und Logik – nicht durch Marketingversprechen
Gartner geht davon aus, dass autonome Agenten in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle in digitalen Entscheidungsprozessen einnehmen werden, insbesondere im B2B-Umfeld.
Produkte und Services müssen für Maschinen verständlich sein:
strukturierte Daten
klare Leistungsparameter
transparente Preise & Bedingungen
standardisierte Schnittstellen
SEO entwickelt sich weiter zu AEO – Answer Engine Optimization:
Nicht nur Menschen müssen Angebote finden, sondern auch KI-Agenten.
Marketing und Vertrieb müssen sich fragen:
Warum sollte ein Agent unser Angebot auswählen?
Welche Kriterien sind für ihn relevant?
Wie vergleichbar sind wir wirklich?
Emotionale Markenführung allein reicht nicht mehr aus.
Vertrauen wird weniger emotional, dafür:
nachvollziehbar
datenbasiert
reproduzierbar
Zertifizierungen, strukturierte Leistungsbeschreibungen und klare Logik gewinnen an Bedeutung.
Agentic Commerce ist kein „Plug-and-Play-Thema“. Aber es gibt konkrete Schritte:
Kurzfristig
Datenqualität prüfen
Angebote strukturieren
APIs & Schnittstellen evaluieren
Mittelfristig
Agent-kompatible Produktlogiken entwickeln
Entscheidungslogiken dokumentieren
Use Cases für KI-Agenten definieren
Strategisch
Geschäftsmodelle neu denken
Rolle von Marketing & Vertrieb hinterfragen
Technologische Architektur anpassen
McKinsey bezeichnet autonome Agenten als einen der wichtigsten Hebel für Produktivitätsgewinne und neue Wertschöpfungsketten im digitalen Geschäft.
Gerade im B2B-Umfeld und bei öffentlichen Auftraggebern ist das Potenzial enorm:
komplexe Entscheidungsprozesse
viele Vergleichskriterien
hoher Dokumentationsaufwand
Agenten können hier:
Beschaffung vereinfachen
Entscheidungsprozesse beschleunigen
Fehler und Medienbrüche reduzieren
Agentic Commerce ist keine Zukunftsmusik. Die technologischen Grundlagen sind bereits vorhanden.Die entscheidende Frage lautet nicht:
„Kommt das?“ Sondern: „Ist unser Unternehmen darauf vorbereitet, mit KI-Agenten statt nur mit Menschen zu handeln?“
Unternehmen, die heute beginnen, ihre Angebote, Daten und Prozesse agent-fähig zu machen, sichern sich einen strategischen Vorsprung. Denn Agentic Commerce verändert nicht nur, wie gekauft wird –sondern wer entscheidet.